2017-10-13


Buk. Hilbig. Leben.

Wieder mit Sport begonnen. Plaudernd 5 Meilen am Fluss entlang gelaufen. Keuchend eine Stunde Fußball gespielt. Wenn da irgendwann wieder Muskeln sind, wo heute noch die pure Statik meines Skeletts verschleißt, werde ich es wahrscheinlich sogar wieder genießen. Bis dahin tröste ich mich mit den letzten Sonnenstrahlen des Herbstes. Naturgemäß die schönsten.

Lese Bukowskis Briefe. Ständig pleite, ständig am Ende, ständig am Schreiben. Entschuldigt sich ständig für sein Unvermögen. Muss an Thomas Bernhards Briefe an seinen Verleger denken. Auch ständig pleite, aber nicht vom Trinken, sondern vom Häuser kaufen, sammeln, renovieren. Sehr europäisch. Bukowski kennt seine Schwächen. Gute Sache. Macht einen Mann stark, das zu wissen. »…aber letztlich sehen sie mein Zeug gar nicht mal als Lyrik an«, schreibt er 1953 an Judson Crews. »Ich verstehe sie sogar. Grundidee ist da, aber es hapert an der Umsetzung. Ich weiß nie, wie was funktioniert«.

Ein Jahr später an Caresse Crosby: »Sie überschätzen meine Bildung […] ich bin nicht mal ein richtiger Künstler, mir ist klar, ich mache allen nur was vor. Ich schreibe aus einem Bauchgefühl heraus: Ekel, beinahe zu hundert Prozent. Aber wenn ich sehe, was die anderen so machen, gibt es keinen Grund, damit aufzuhören. Was sollte ich denn sonst tun?«

Besser kann man den Urgrund des Bloggens nicht zusammenfassen.


Schreiben als Suche nach Unverstelltheit. Den Blick so lange auf einen Punkt richten, bis man die Nervenstränge einer Sache wahrnimmt. Dann noch einmal genauer hinsehen, um deren kleinsten Bestandteile zu erkennen. Dann weglaufen, um das Ganze zu erfassen. Zwischendurch zweifeln, quälen, aufgeben, das Aufgeben aufgeben und bestenfalls nicht daran zerbrechen. Füllwörter meiden. Ganz einfach.

Habe hier einige Bücher von Wolfgang Hilbig liegen. Bin bei keinem über die ersten Kapitel hinausgekommen. Dass ich den Keller riechen kann, in dem sich seine Figur zurückzieht oder das Gesicht werktätiger Liebe schmecke, die in seinen Gedichten als das Schönste gilt – nach wenigen Seiten bin ich bis über den Rand abgefüllt mit Seele. Begreife in diesen Momenten die Sinnlosigkeit des Daseins. Gute Schönheit lässt einen leiden, immer. Der Rest ist nur Wohlgefallen.