2017-12-14


Tage. Wochen. Enden.

Wer nur aller drei Wochen bloggt, kann es eigentlich sein lassen. Denke ich mir und verwerfe diesen Mindfuck gleich wieder. Diese mehr als 500 Stunden sind Jahrhunderte, wenn man sie in Internet-Zeit umrechnet? Mir egal. Schmeiße diese Selbstknechtungs- und Tüchtigkeits-Ethik an die Wand und erfreue mich am Fleck, den sie hinterlässt. Muss ja in meinem Alter nicht mehr jeden Unsinn mitmachen.

Ich sitze seit fast vier Monaten an der Programmierung eines eigenen Datenbanksystems, dass mir die Schwächen der großen, Millionen teuren Software ausbügelt, die man hier auf Arbeit angeschafft hat. Komme auch deshalb nicht mehr zum Schreiben. Stelle aber fest, dass ich am Ende eines Tages genau so erschöpft bin, als hätte ich zehn Stunden literarisch gearbeitet. Anscheinend werden beim Code-Schreiben im Hirn die selben Areale beschäftigt wie beim Texten. Ein schöner Gedanke: Die Lyrik der Maschine, geschrieben in PHP-Syntax und im Versmaß MySQL. Dabei aber auch immer die selbe Marter: Könnte ich das jetzt nicht noch eleganter und effizienter gestalten?

Andreas Wolf, einer meiner absoluten Lieblingsblogger, schrieb über ein Konzert:

Hundertmal heftiger als alles, was ich je in Opernhäusern oder philharmonischen Konzertsälen erlebt habe, weil hier das Publikum nicht nur nicht so tun muss, als wäre es gar nicht da […] sondern das Publikum ist im Gegenteil hier ein wesentlicher Teil der Performance selber. Das Wissen darum, dass das Gelingen dieses Abends nicht nur von der Perfektion der Virtuosen da vorne abhängt, sondern von uns allen […] Der Traum jedes Postdramatikers, ein mitmachendes Publikum, welcher nur leider in den Hallen der Stadt- und Staatstheater niemals gelingt, weil ein von Kindesbeinen zur Mucksmäuschenstillhalterei erzogenes Publikum sich ängstlich in die Sitze duckt – hier wird dieser Traum Wirklichkeit, und das Ergebnis ist unglaublich toll, kathartisch im besten aristotelischen Sinne.

Zu finden im Blog »Wald und Höhle« im Text »Humanz«

Seit ich das vor einer Woche las, geht mir das nicht mehr aus dem Kopf, auch weil ich mich die ganze Zeit selbst frage: Ist es nicht so, dass ein gut gemachtes Computerspiel genau dieselbe »Erfahrung reinsten Glücks« hervorzubringen vermag? Auch hier wird vorab künstlerisch ein Rahmen im Form von Erzählung, Kulisse, Musik erschaffen, die doch nur sinnvoll denkbar ist, wenn es jemanden gibt, der es spielt?

Apropos Computerspiele: Ertappe mich in der letzten Zeit immer häufiger, wie ich bei »Assassin's Creed Syndicate« durch die Straßen schlendere, alle Missionen vergesse und Freude am Spazieren entdecke. Gepaart mit dem Reiz, in fremde Häuser einzusteigen, um dort zu sein, wo ich eigentlich nicht hin darf. Es hat sich eine Menge seit Pong getan, Toto…