2018-01-03


Ze austrian Flash!

Diese Unruhe, immer nur Fragmente zu erzeugen. Blitz. Das Fehlen der Überzeugung, dass etwas erzählt werden kann, das stimmig und zugleich wahr ist. Blitz. Sich selbst erzählen, in Ermangelung eines Lebens. Blitz. Aber vielleicht bin ich nicht der Film, sondern nur eine Einstellung. Blitz. Oder bloß ein Bild, ein »frame«. Blitz. Dann hätte ich sowieso keinen Einfluss auf die Geschichte im Kopf der Zuschauer. Blitz. Fehlte ich, wäre es auch egal. Sind ja noch 23 andere, die pro Sekunde durchrutschen. Blitz. Sparring, aber auf dem Papier. Blitz. Früher wollte ich mal etwas werden. Heute reicht mir, dass ich bin. Drehschluss. Happy End.

Warten auf Godot

Bei Twitter treffe ich immer wieder auf Österreicher und fast jedes Mal ist dies ein Gewinn. Für mich, als gelerntem DDR-Bürger (ohne Abschluss) stellt das noch immer ein Mysterium dar: Die reden wie ich, nur lustiger, und sind formal dennoch Ausländer. Wie absurd das Konzept des Nationalstaates doch ist! Im Grunde kann man doch nichts anderes wollen, als bei Menschen zu sein, die so wunderbare Wörter wie Fleischhauer (Metzger), Angelobung (Vereidigung), Trauminet (Feigling) oder Fotzenhobel (Mundharmonika) benutzen. Ich liebe den österreichischen Wortschatz, der offenkundig gar nicht ernst genommen werden will.

Lotta Blokker – Atlas

Mit der Zeit
Schwanden die Krüppel
Erinnerungen voll Krieg
Schwarzer Hände, Beine aus Holz
Blicke milchtrüb gebrochen
Blindes Fleisch aus verstelltem Geist.

Nie wieder! offiziell doch
Schwüre ins Dunkel gesprochen
Bleiben da, ewig still
Und kein Blick des Tages
Zerdenkt sie zu Frieden
Wenn der Krieg ein Knopf ist.

https://libralop.de/tagebuch/2018-01-03