2018-12-20


Mit Leibniz auf der ISS. Versuch über glückliche Modellbahner

Jahresende im Bureau. Die Posteingänge sind abgearbeitet, einzig der private birgt noch einen Briefwechsel über Blogs, Literatur im Netz und das Brettspiel Go. Zum Mittagessen gab es Bier. Im Hintergrund säuselt Monica Zetterlund. Sous les pavés, la plage – Hinter den Ordnern und Monitoren liegt irgendwo die Welt.

Die Geschichte von dem Mann im Zug, der angerufen wird, mitteilt, er habe schon Feierabend, aber die anderen Kollegen vom Stellwerk seien erreichbar, um sich nach Abwimmeln des Feierabendstörers wieder seinem Modellbahn-Anhänger zu widmen, den er fingerspitzig auf dem Schoß in seine Einzelteile zerlegt, ohne das beim Ruckeln und Schaukeln der Regionalbahn auch nur ein Kleinteil auf den Boden stürzt, so dass er ihn pünktlich zur Einfahrt in den Hauptbahnhof wieder zusammengesetzt hat, müsste schon deshalb erzählt werden, weil ich glaube, in diesem Moment einen glücklichen Menschen gesehen zu haben.

Ob Alexander »Astro Alex« Gerst sicher auf der Erde angekommen ist, war heute morgen meine erste und über den Tag betrachtet größte Sorge. Selbst die Frau Liebste lief zwischen Küche und Bad mit dem Livestream auf dem Smartphone durch die Wohnung. Ob ein royales Baby das Licht der Welt erblickt oder ein deutscher Astronaut auf selbiger wieder eintrifft: Sie reagiert jedesmal gleich begeistert. Wir müssen uns Libralop Hulot als einen sehr sehr glücklichen Menschen vorstellen.

Überall ist Wille zur Schönheit. Und wir sind mittendrin. Leibniz hat recht, es ist die Beste aller möglichen Welten. Nur vergessen wir das manchmal und werden vor lauter Nachdenken traurig. Daher: Liebt!

https://libralop.de/tagebuch/2018-12-20