Bilder und wie wir die Welt sahen

Like me. LIKE ME!

Corona-Demos: Es geht nur um Bilder, immer. Wo Wörter Fragen aufwerfen, geben sie Antworten. Anscheinend. Scheinbar. Sie wimmeln vor Leerstellen, verbergen mehr als sie zeigen. Schon nach einem einzigen Blick glaubt man sie zu erkannt zu haben.

Unsichtbares, Ungezeigtes, Ungesehenes füllen wir mit dem auf, was wir „Weltwissen“ nennen und geben damit dem Bild einen, geben ihm seinen „Sinn“. Nichts kann, nichts darf ohne sein. Und Gefühl. Das bringt uns letztlich dazu, ihre Bilder zu übernehmen und zu verbreiten. Während sie als wahre Emotion getarnt in uns eindringen, schmecken wir jene kalte Wut sogar durch unsere Erschütterung. Wir vereinigen uns mit ihnen in gemeinsamer Angstlust, immer auf der Suche nach Sensation in der ganz eigenen Ästhetik des wehklagenden Unterdrückten.

Sie wissen das. Wo ihnen die Worte fehlen, setzen sie alles daran, Symbol zu werden. Fahnen schwenken auf der Treppe des Reichstags. Kruzifix im Nieselregen der Wasserwerfer. Leipziger Innenstadtring, eine Stimmung wie '89! Einmal ein Buchstabe in der Schmerzensgeschichte apokalyptischer Erzählungen sein dürfen. 15 milliseconds of fame. Das Fleisch, das Tweet werden will.

Sprächen wir hingegen über ihren Unsinn, unsere Unsicherheit, ihre Fahrlässigkeit, unsere Hoffnung, ihre Angst, unsere Angst stellten wir sprachliche Dinge gegenüber, abwägend, fällten vielleicht ein Urteil, das sich anderen Urteilen stellen müsste. Geben wir jedoch nur ihre Bilder weiter, gewinnen sie. Nichts von dem, was sie tun, hielte einer Prüfung stand. Keine Sekunde länger redeten wir über alternative Medien, übergangenen Volkswillen, Schwindelärzte und „Lügenpresse!!11!!1“.

„Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war“ – Und so knallen wir uns die Nullbeiträge der Sprachlosen in die Birne, als hätte das alles eine wirkliche Bedeutung.

Wie schlau wir doch sind.


  • 3
  • Kommentare unter dem Posting0
  • Webmentions4

– 18. November 2020 –


Sag was. Oder lass es.