My private Overlook

Nachts brüllend aufgewacht. Geträumt, ich hätte eine kleine Pension namens »Leutzscher Eck« von einem Schulfreund im Winterwald gekauft. Also kein richtiger Freund, höchstens ein Typ, den man etwas weniger als die anderen hasste. Zum Abschied meinte er, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehe. Irgendwas stimme nicht mit den Badezimmern. Soll mich vorsehen.

Lasse mir ein Bad ein. Mixe wie wild Badezusätze. Dann kommen die Gespenster und wirbeln mich im Wasser hin und her. Am Anfang kämpfe ich noch dagegen an, dann schreie ich nur noch aus tauber Lunge. Deine Hand rettet mich letztlich aus einem Grauen. Wieder einmal.

Am Morgen die letzten meiner Kollegen ins Home Office verabschiedet. Bin nun der allerletzte der Mohikaner. Der Rest versucht sich noch in letzter Sekunde Skype einzurichten. Scheitern. Anrufe. Beschwerden. Zurecht, schließlich habe ich das Programm erfunden.

Es ist bereits dunkel, als ich heim gehe, nein: radle, nein: fliege, nein: schwebe. Die Straßen sind tot, Trance im Kopfhörer, der Flux-Kompensator pumpt auf Anschlag. Damals hatten wir kein Gefühl für die eigene Zerbrechlichkeit, nur Langeweile und Stroboskop-Feuer in den Synapsen. Vielleicht ist das Heute die Folge davon. Oder unsere letzte Chance zur Umkehr.

Vorm Krankenhaus überdeckt der Kirschblütenduft die Furcht des leeren Asphalts. Rauschen. Wärme. Es geht immer weiter.

Zu Hause liegt dann Dein Antrag auf Kurzarbeit auf dem Tisch.


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– 19. März 2020 –


Kommentare

Roswitha
20.03.2020 · 10:49 Uhr

Libralop
20.03.2020 · 11:29 Uhr

Stefan
21.03.2020 · 18:41 Uhr

Sag was. Oder lass es.