Die Zerstörung von einfach allem

David gegen Goliath oder wie ein YouTuber die CDU mit ihrem eigenen Narrativ schlägt.

Der Youtuber »Rezo« macht ein Video, das er »Die Zerstörung der CDU« nennt. 55 Minuten lang, Auflistung von Fehlern der regierenden Parteien der letzten Jahrzehnte, unterlegt mit Fakten, Jugendsprache, genretypisch. Das Ganze geht unheimlich schnell viral und wird sogar von den großen deutschen Zeitungen besprochen.

Innerhalb von fünf Tagen bekommt das Video fünf Millionen Abrufe. Auch ein Grund: Rezo hat mal eben knapp 280 Quellen für seine Argumentation angegeben. Und der getroffene Hund? Bellt zwar, beißt aber nicht. Wie auch, ohne Zähne. Vereinzelte Reaktionen freischwebender Partei-Socialmedianer, schnelle Stichworte ohne nennenswerten Kenntnisstand, Fake News & Pseudofakten. Kramp-Karrenbauer larmoyant: »Ich habe mich gefragt, warum wir nicht eigentlich auch noch verantwortlich sind für die sieben Plagen, die es damals in Ägypten gab«. Pro-Tipp: In der Bibel waren es zehn Plagen – Grüße gehen raus an die Christliche Union Deutschlands!

Paul Ziemiak, Generalsekretär der CDU, legte gestern schon vor:

Stattdessen: Reflexhafter Rückfall in den Kommunikationsmodus »Talkshow«. Der Gegner wird diskreditiert. Kommt Dir das, werter Leser bekannt vor?

Wie so oft findet keine wirkliche Auseinandersetzung mit den Inhalten statt. Der Protest ist unschicklich, unstatthaft, unsachlich, unmöglich, weil er nicht in das Raster der etablierten Kommunikation passt: Wir sagen an – Du hast zu folgen!

Screenshot eines Rezo-Interviews mit t3n

Was mich in dieser und ähnlichen Debatten immer wieder schmerzt, ist dieses tiefe Unbehagen der meinungsverarbeitenden Industrie hinsichtlich der modernen Mediennutzung. Rezo wird vorgeworfen, er arbeite »unjournalistisch«. Ja und?! Weshalb sollte er das auch tun müssen? Nicht nicht alles, was auf einem Monitor geschieht, sind klassische Nachrichten, erstellt von Presseleuten und TV-Teams!

Wer schreit denn immer nach Digitalisierung als ob man 5G-Netze anziehen und IT-Infrastrukturen essen könne? Doch jene, die nun einer Stimme aus der Welt der Nullen und Einsen Ahnungslosigkeit vorwerfen!

Wer wünscht sich denn immer fundierte wissenschaftliche Beweise in Debatten und macht sie in ihren Hirnzombie-Formaten zum Feature namens Fakten-Check? Genau die Leute, die einem Diskussionsteilnehmer vorwerfen, dass er mehr Quellen nennt, als ein Wikipedia-Artikel oder eine Bachelor-Arbeit!

Wer will denn später mal gut verrentnert in einem Pflegeparadies leben, ohne sich Gedanken über ein sozialverträgliches Frühableben zum Wohle der Infrastruktur machen zu müssen? DIE! Also WIR! Wäre also ein fescher Zug, dass wir jenen, die uns einst versorgen, eine Welt anbieten, in der das für alle und überall auch möglich ist.

Rezo hat das gemacht, was diverse Aktivisten und vor allem unsere Kids immer wieder tun: Sie äußern ein fettes Unbehagen an dem, was wir hier verzapfen. Dumm hieran ist nun leider nur der Fakt, dass wir nicht mehr mit unserer allgegenwärtigen Ignoranz kontern und das Kind in sein Zimmer schicken können, während wir uns das nächste Pilsken einkübeln, damit diese kleine Stimme im Kopf das Maul hält. All das ist die Kiste, die wir geöffnet haben. Nun sollten wir wenigstens den Mumm haben, die Dinge zu ertragen, die da raus springen.

Wissen tun wir nämlich eines, auch wenn wir es nicht zugeben: Da ist was dran. Was genau, finden wir aber erst raus, wenn wir uns der Diskussion stellen. Ganz egal, welche Person in welchem Medium uns herausfordert. Ansonsten sind wir nur eines: Eine lächerliche Vergangenheit.

[Artikelbild: Asa Rodger on Unsplash]

Kommentare

thomas
24.05.2019 · 07:20 Uhr

Libralop
24.05.2019 · 08:22 Uhr

joha
26.05.2019 · 17:49 Uhr

joha
26.05.2019 · 17:54 Uhr

Libralop
28.05.2019 · 09:38 Uhr

Libralop
28.05.2019 · 09:40 Uhr

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