Hemingway - 49 Stories

Warum habe ich das nicht aufgeschrieben, als es noch ging? Nun sterbe ich vorm Schnee des Kilimandscharo.

Beim Lesen von Hemingway beschleicht mich immer wieder das Gefühl, dass der alte Mann der einzige seiner Zunft war, der es vor die Haustür geschafft hat. Mir ist niemand bekannt, der im Story-Format über Kriege auf anderen Kontinenten, Großwildjagd und Stierkämpfe geschrieben hat. Vielleicht liegt das aber auch nur an meiner begrenzten Lese-Erfahrung.

Texte über Toreros schenke ich mir, das ist mir zu speziell, da zieht es mir regelmäßig die Augenlider nach unten. Bei den Themen Krieg und Amerikanisches Landleben ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich das alles in einen Science-Fiction-Kontext transferiere.

Doch ganz gleich, wie ich mich den Geschichten gegenüber einstelle. Jedes Mal entdecke ich schon nach wenigen Sätzen die Robustheit von Hemingways Schreibe. Ich weiß nicht, ob man das schon tiefe Wahrheit nennen kann, was dort mitschwingt. Doch jedesmal habe ich das Gefühl, als ob ich mit meinen Fingern über eine alte, dunkel gemaserte, glänzende Tischplatte aus Zedernholz fahre. Keine Ahnung, ob der Baum ein besonders großes Exemplar seiner Art war oder er vielleicht jemandem am Herzen lag. Vielleicht stand er einsam auf einem alten Berg und war der letzte, der von einem verzweifelten Holzfäller geschlagen wurde. Vielleicht stand er auch seelenlos in Reih und Glied auf einer Farm, die nur Bäume für Tischplatten gepflanzt hatte.

Am Ende steht man vor dem Möbelstück und fragt sich, ob er je das Glück hatte, das auf ihm erzählt wurde.

Kommentare

Ferrer
26.07.2018 · 15:22 Uhr

Libralop
03.08.2018 · 14:42 Uhr

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