Last Exit Kniefick

»Bringt mir den grünäugigen Neger!«, rief Konstantin, als ihm klar wurde, wer ihn da gelinkt hat. Die Geschichte ist so alt wie der erste Furz nach dem Urknall. Einer will was, der andere bietet es an. Hier ging es um ein Drehbuch. Für einen Porno. Konstantin, der nix mit dem Wirtschaftswunder-Produzenten zu tun hatte, wollte einen Film europäischen Ausmaßes produzieren. Leidenschaft, Verrat, Aufopferung, das alles. Wuthering Heights, aber mit viel Fleisch.

Der Neger, der eigentlich Ronny hieß, weiß wie ein Tempotaschentuch war und sich nur wegen des Kreischfaktors in den Sozialen »der grünäugige Neger« nannte, bekam nicht mehr als einen lausigen Plot zusammen. Bisschen Splatter hier, Vergewaltigung da, Nazi-Uniformen, dies das. Kurz bevor es zur Sache gehen sollte, kam die Neutronenbombe von Mutter ins Zimmer, um die Burschen zünftig abzumelken. »Nehmt mich, aber verschont meine Tochter!« war das Highlight des Skripts. Gedreht werden sollte in einem der billigen Möbelhäuser, draußen im Gewerbegebiet.

12 Semester Germanistik, ohne Abschluss, Abbruch wegen künstlerischer Differenzen mit dem Dozenten für Generative Grammatik. Nicht einen Schein gemacht. Dafür 3534 Follower bei Twitter. Ronny musste nur das Wort »Nudelauflauf« schreiben, schon hatte er 142 Likes in 10 Minuten. Und dann: »Nehmt mich, aber verschont meine Tochter!«

Kein Wunder, dass Konstantin sauer war. Mit Kunst und Katharsis hatte das alles nichts mehr zu tun. Scheißland. Soll untergehen.


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– 18. Mai 2020 –


Kommentare

glumm
20.05.2020 · 19:32 Uhr

Sag was. Oder lass es.