Mignonnes von Maïmouna Doucouré

Was »Natural Born Killers« für die Medienlandschaft der 1990er-Jahre war, ist »Mignonnes« für die 2020er.

Unfassbar starker Film, vielleicht der wichtigste des Jahres. Tolle Kamera, phantastische Schauspielerinnen, gnadenlose Story.

Einerseits die speziellen kulturellen Aspekte eines Erwachsenwerdens im Minenfeld übergriffiger Tradition. Andererseits die sich in ihrer Verachtung des Willens des Individuums in nichts unterscheidende Moderne. Determination vs. Hyper-Freiheit. Vollverschleierung vs Twerking. Die Gewinner stehen schon von vornherein fest. Es sind nicht die Kinder. Es sind nicht die Frauen.

Ich kann die Diskussion darüber, ob dieser Film kinderpornografisch ist, nachvollziehen. Doch in diesem Film geht es nicht um Sex, sondern brachiale Gewalttätigkeit gegenüber den Schwächsten. Streckenweise ist das nicht zu ertragen. Aber das alles muss genau so gemacht werden. Hier darf nichts wegfallen, da ist kein Bild zu viel, keine Geste verzichtbar. Das muss so unangenehm sein, so verstörend, so herausfordend.

Ein Tritt in die Seele. Das ist große Kunst. Was »Natural Born Killers« für die Medienlandschaft der 1990er-Jahre war, ist »Mignonnes« für die 2020er. Empfehlung: Im Original (mit Untertiteln) ansehen.

Sie wissen nicht, was sie tun in der Welt, die wir ihnen gestalten. Aber wir tun es. Und kommen nicht gut dabei weg. Wie auch. Als Verbrecher.

»Mignonnes« ist auf Netflix zu sehen, dass sich die Prügel für das unsensibelste Marketing hinsichtlich dieses Streifens redlich verdient hat. Aber das ist nicht die Schuld des Films.


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– 13. September 2020 –


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