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Tag Vier

Queens salute! Im Hyde Park reitet die Artillerie ein. Kanonen bollern, eine Militärkapelle spielt schmissige Musik. Es ist wieder einer dieser Momente, der zeigt, dass die Briten sich noch immer als Empire verstehen und nicht schrullig, sondern stolz auf alles um sie herum sind. Es ist eine Parallelwelt ohne Schnittkante. Alles bedingt einander. Die alte Kultur, gesponsert vom Limonadenhersteller.

Die seltsam schnelle Gewöhnung an CCTV. Kaum Polizei zu sehen und doch kein Unsicherheitsgefühl. Ganz im Gegenteil. Niemand nestelt an unseren Taschen herum oder versucht uns anderweitig abzuziehen. Selbst der Polizist mit Maschinenpistole trägt ein Namensschild. Einige Extinction-Rebellion-Protestierer gehen mit Stift und Papier vor Westminster umher und notieren sich die Namen ihrer Bobbies. Als wäre es das selbstverständlichste der Welt. Übrigens trägt hier kein Polizist einen martialischen Helm, Protektoren oder einen Schild. In Deutschland, dem Land der Uberangstlichen undenkbar.

Der Kellner im Golden Shangrila. Seine Handschrift ist unleserlich, der Preis nur ungefähr erkennbar. Werde die Rechnung morgen mit ins British Museum mitnehmen und von einem auf Keilschrift ausgebildeten Experten entziffern lassen. Unter Umständen habe ich von ihm eine Atombombe erstanden. Wenn der Versand schon mit dabei war, geht die Summe aber in Ordnung.

London Eye. Maßlos überschätzt, obschon wir dank des Wetters eine nahezu unendliche Sichtweite haben. Kaum steigen wir aus, steigen zwei Teams ein: Reinigung und Sicherheit. Die einen fegen, die anderen untersuchen mit Spiegeln die Kabine. London hat seine bittere Lektion in Sachen Terror gelernt.

Apropos Terror: Das Attentat in Sri Lanka dominiert hier alle Meldungen. Das Commonwealth ist überall, entsprechend groß ist die Anteilnahme. Das grausamsten Attentat seit 9/11 nennt man es hier. Vom Brexit spricht hier gerade niemand.

Man kann sich hiet alle Nase lang in ein freies WLAN einloggen. Man muss nur seinen Namen, Mailadresse, Lebenslauf, Vorstrafen, Lieblingsessen, Schuhgröße und Geburtsdatum angeben. Tut mir leid "Bernd Dasbrot", erreichbar unter bernd@web.de.

Privatinitiativen in England sind massiv erfolgreich. Doch sobald es in den institutionellen und organisierten Rahmen übergeht, wird alles ganz angestrengt und bemüht und schmiert in Größenordnung ab. Siehe ESC. Was mich zu der Frage führt: Wem gehört diese wunderbare Stadt eigentlich? Ich denke nicht: Dem Londoner Gemeinwohl. Stattdessen: Multinationalen Konzernen. Die Einwohner hier scheinen nur Komparsen zu sein.

Totale Erschöpfung. Rückenschmerzen. Sonnenbrand. Im Fernsehen läuft Wallace & Gromit. Wir haben un den letzten drei Tagen gefühlt mehr Müll als in einer Woche daheim produziert. Jetzt sind wir wirklich in England angekommen.

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Social Media Reaktionen

3 Erwiderungen (Response)

Frau Stich
Frau Stich

sehr schön! text und fotos. danke :) …weiter lesen »

Libralop? Hulot!
Libralop? Hulot!

Ich habe zu danken. Stay tuned for day four in 30 minutes! …weiter lesen »

8x sehr gemocht (Likes)