One for my Baby and one more for the road

Hab mal mit Foxy in einer Bar gesessen. Wir waren ganz verrückt aufeinander, aber auch auf Kaffee und Whisky um drei Uhr. Also haben wir erst das eine gemacht und sind dann für das andere nochmal raus. Eine dieser Nächte, bei denen man hinterher nicht weiß, warum die ganze Stadt nach ihr duftete, jede Frau wie sie aussah, jeder Kuss allen und doch nur ihr galt.

Am Tisch kramte sie alte Fotos raus, verschwommen, schwarz-weiß, mit diesen seltsam ausgefransten Rändern und jeder Menge Knicke. Familie, Geschwister, Haustiere. Man kann eine Menge interessant finden, wenn das Gehirn voller Kosmos ist. Stiere Blicke eines besoffenen Vaters. Das, worüber nicht gesprochen werden durfte. Mutter mit Schleier im Honigkuchen-Modus. Die besten Haarschnitte der Siebziger, Achtziger, Neunziger und von Heute. Erste Milchbart-Freunde.

Stories darüber, wie wir Zonen-Kulis waren, weil das so sein musste, weil das immer schon so war, weil man was Handfestes braucht, weil man sich nicht so anstellen soll, weil Lehrjahre keine Herrenjahre sind, niemals waren, nie sein werden, damit deutsche Landschaften blühen konnten, damit aus einem was wird. Fotografierte Flausen. Unbeschwertheit, aus dem Gesicht gewaschen vom Leben der Anderen. Und wie wir das alles weggeworfen hatten, zu Ungunsten der Unfreiheit und der Rentenpunkte.

Dann kam der Kellner. Hochnäsiges Feixen. Als hätte ich nicht nach unserer Whisky-Marke gefragt, sondern ob es in Venedig Tauben gibt.

Manche Erinnerungen sterben nie.


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– 20. Mai 2020 –


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