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In meinen schönsten Träumen geht es immer um Architektur. Andere mögen von Natur träumen. Bei mir sind es Städte und Räume.

Zum Beispiel die »Halle des ewigen Regens«. Riesige, braun glänzende Holztüren behüten sie. Drinnen führt ein ovaler Aufgang hinauf. Sein Handlauf besteht aus einem einzigen Stück Holz, bestimmt 20 Meter im Durchmesser. Pflanzen. Regentropfen, die aber dem Holz nichts anhaben. Der Ton einer Klangschale. Absoluter Friede. An der Flanke eine Tür, die zu einem Garten führt, der sich über Terrassen zu einem Schloss schlängelt. Aufgewacht.

Oder diese zwischenweltlichen Straßen, die sich zwischen das schieben, was man täglich nicht mehr sieht. Dunkel ist es dort, verraucht, Putz fällt herunter, niemand in den Fenstern. Eng ist es hier, alles geizig gebaut. Sonne hat diese Straße noch nie gesehen. Stille, wie in einer Totenstadt oder einem Colombarium. Es gibt keinen aufregenderen Ort als den dieser Verlassenheit. Sobald man sie verlässt, ist sie weg, zerbröselt zu Erinnerung. Aufgewacht. Als Forscher.

Letzte Nacht war ich in London. Der letzte Tag der »Reise« – was tun? Ich wagte mich mit meinem Fahrrad in den Linksverkehr und entdeckte Bekanntes, aber auch Plätze voll spätgotischer Bauten, schnörkelig, rund herum überwuchert von Wolkenkratzern, durchzogen von Touristenkolonnen, Geplapper und Würstchenduft. Die Endlichkeit macht mich bittersüß traurig, schon während des Schlafes. Aufgewacht. Als Liebhaber.

Mir fehlt so vieles.
Aber nicht alles.


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Nach und vor allem:
U-Bahn-Stationsgeruch
Der Sitz neben mir
Quietschorange
Die ausglimmende Crackpfeife
Alles ist erlaubt
Was nicht verboten ist
Brandflecken in Plastik
Sicherheitsmaterial.

Wasserhäuschen
Lottozahlen
BILD
Feinkost-Mütterchen
Keine Zeit
Gold
Tausend Sprachen
Millionen Worte
Fuck.

Nutten tanzen
Zwei Songs bis sie nackt sind
Das Bier für 13 Mark
Teurer Mann in billigen Polstern
Irgendjemands Tochter zeigt Fotze
Für Wichser wie uns
Kann es kaum ertragen
Wegzugehen
Wegzusehen.

Neonlicht
Auf Straßenpflaster
Rennommé
Im Sportcoupé
Elemente
Unter dem Radar
Es ist zu schön
Es ist zu wahr
Es war.

B. fällt vom Stuhl
Der Fixer gegenüber
In sich zusammen
Sechster oder siebter Versuch
Sauber an der Ader vorbei
Blut läuft über Wangen
Schwarzer Saft spritzt aus dem Arm
Wer sagt den Eltern
Dass ihre Kinder verschwinden?

Wir sind Ossis
Frisch von der Weide
Ahnungslos und trinkfest
dumm wie Russland groß
Gefangen in einer Stadt aus
Duftbäumchen und Pissecken
Weggeworfene Pariser
Hinterm Museum, überm Heizungsschacht
Spritzen verdienen.

Der Teufel starb allein
Kurz vor der Dämmerung
Und niemand da
Der ihn beweint
Nur noch Maschinen
Die wie Menschen aussahen
Kein Gott der jubelt
Wohlverdiente Langeweile
Und zuletzt ein Gedicht.


Tun.

ε

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Applaus. …weiterlesen »


Δ

Nicht der Glanz des Erfolges, sondern die Lauterkeit des Strebens und das treue Beharren in der Pflicht, auch der geringscheinenden, wird den Wert eines Menschenlebens entscheiden.

Helmuth James Graf von Moltke

(Muss morgen wieder auf Arbeit. Zu Leuten, die mich hassen. …weiterlesen »


γ

Ich habe zwei Gedichte
Vorhin auf Dein
Kissen gelegt
Kid.

Weil ich Dich
Liebe
Du nicht Ich
Bist
Weil ich stolz
Bin
Du sehr Ich
Bist
Weil Du alles
Bedeutest
Jedem.

Und vielleicht ist das
Hier auch ein
Gedicht. Dann
Drei.