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Weiterer Schlag: Der Tunnel ist länger als erwartet. Hängen hier noch drei Wochen fest. Mindestens.

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Tagebuchauszug Chief of Inner Space Lt. Hulot:

»...am Ende ist diese ewige Helligkeit das Hauptproblem.

Weiterer Schlag: Der Tunnel ist länger als erwartet. Hängen hier noch drei Wochen fest. Mindestens. Was dann kommt? Unsicher. Cpt. Agnes weiterhin zuversichtlich. Henriksen weiter Stoiker. Akermans steckt seine Krise mit O'Reilly gut weg. Sahen ihn schon wieder bei seinen Comics. Guter Mann. Hatte seinen dunklen Moment, ist aber wieder aufgestanden. Macht 'nen guten Job. Der Rest der Crew: stille Anspannung. Beobachten.

Empfingen einen Notruf vom Diplomatenschiff. Die »Justice« kämpfte mit ihrer Komm-Technik. Botschafter Kal'Orn, dem die »Crown« als Expeditionskorps vorausfliegt, verzweifelte an uralter Technik. Staatsdienst ist immer wie eine leere Flasche. Gierig ausgesoffen. Zum Verstauben in die Ecke gestellt. Wird erst wichtig, wenn man dem Kasten vollständig abgeben muss. Manche Dinge ändern sich nie. Leider. Überlegen nun, wie wir Verbindungstechnik durch den Tunnel transferieren können.

Vor uns befindet sich die »Xiangqi«, ein chinesisches Schiff. Ihren Telemetriedaten nach, haben sie den Tunnel fast geschafft. Dann hören aber vielleicht auch die Fernschach-Partien auf, für die wir als Funkrelais dienen. Wäre wirklich schade. Verstehe davon nicht ein Achtel so viel wie Kal'Orn. Aber ihn freut's. Dieser Friede steckt an. Tut uns allen gut.«

[Aufzeichnung Ende]

Tschuldigung Kap, langer Tag. Also: Fische.

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Tagebuchauszug Chief of Inner Space Lt. Hulot:

»...letztlich zuversichtlich. Kaplan Akerman hingegen wirkt erschüttert. Berichtet, dass O'Reilly heute bei ihm gewesen sei. Geistig halb da, halb hier. Tonspur Akerman 03/27:

Woran glauben sie, Akerman? fragte er mich. Etwa an diesen Gott, den alten Macher, den Lenker, das rachsüchtige Frettchengesicht? Und bevor ich antworte, erzählt er mir etwas von Fischen.

Fischen?

Genauer: Guppys. Wissen sie, Hulot, was Guppys machen?

[Undeutlich] und ihren Nachwuchs fressen.

Ich würde es nicht so drastisch ausdrücken, aber ja.

Tschuldigung Kap, langer Tag. Also: Fische.

O'Reilly erzählt, dass er als Kind Guppys besaß. Und um den frisch geschlüpften Nachwuchs vor seinen gefräßigen Eltern zu schützen, hat er sie schnell aus dem Aquarium in den Deckel eines Erdnuss-Butter-Glases gesetzt. So einen hohen, gefüllt mit Wasser.

Glück gehabt, würde ich sagen.

Nicht wahr? Das sagte ich auch! Doch O'Reilly passte das gar nicht. Nein, schrie er immer wieder, nein! Sie begreifen nichts! Immer dieses Rettenwollen und Beschützenmüssen! Wissen sie, Kaplan, was mit den Fischen passierte? Ich sagte, dass ich keine Ahnung habe. Darauf er: Sie schwammen im Kreis! Den ganzen Tag, im Kreis. Und nur im Radius des Erdnuss-Butter-Deckels! Was ist das denn für ein Leben? Immer dieses Eingreifen und Einmischen? Mit welchem Recht? Ich fühle mich schlecht deswegen. Und Gott?«

Weiter beobachten.

[Aufzeichnung Ende]

Gutes im Menschen sehen. Sie kann das. Hat man entweder drauf oder lernt es auf die ganz üble Tour.

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Tagebuchauszug Chief of Inner Space Lt. Hulot:

»...vielleicht gesunden. Gemessen an dem Druck, den Captain Agnes ausgesetzt ist, kann man nur von einem Wunder sprechen. Bräuchten mehr solcher Typen. Die Welten wären besser dran. Sie holt sich stets die besten Leute in ihre Crew und lässt sich dann von ihnen führen. Fürchtet Konflikte, aber positiv. So wie man einen Fön am Wannenrand fürchten sollte. Legt sich mit der Admiralität an, wenn die verdeckten Dreck anordnet. Agnes Motto: The shit leopard can't change its spots. Aber nicht alle sind so. Gutes im Menschen sehen. Sie kann das. Hat man entweder drauf oder lernt es auf die ganz üble Tour. Bei ihr: Letzteres.

Der Tunnel macht ihr nichts. Sie hat sich einen guten Rhythmus angewöhnt. Wie ein Läufer. Kennt ihre Grenzen, hat aber keine Angst vor ihnen. Wenn jemand die »Crown« hier durch bringt, dann sie.

Die Statistiken der restlichen Crew habe ich heute in die Datenbank eingegeben. Drei Stunden dafür gebraucht. Ständig stand ein anderer im Quartier, um zu reden. Will jetzt jeder. Würde aber keiner zugeben. Eiertanzen wie auf dem Abschlussball. Im Tunnel sind alle unterbeschäftigt. Zu viel Zeit zum Nachdenken. Ganz früher hat man die Leute das Deck schrubben lassen. Heute übernehmen das Roboter. War nicht alles schlecht, damals.

O'Reilly heute unauffällig. Macht mir Sorge. Ich mag meine Problemfälle aktiv. Macht sie begreiflicher.

Henriksen erschüttert nichts. Tagsüber hat er...«

[Aufzeichnung Ende]

Die letzten Stunden waren leer. Entsetzlich. Als seien wir die eigentlichen Maschinen an Bord.

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Tagebuchauszug Chief of Inner Space Lt. Hulot:

»Die Crown befindet sich heute seit drei Monaten im Tunnel. Vielleicht auch schon länger. Logbücher unpräzise, Eintrittsdatum ungewiss. Befinde mich selbst erst ein paar Tagen außerhalb der Stasiskammer.

Zur Erklärung: Als Tunnel wird eine Anomalie der Oort'schen Wolke bezeichnet, die eine Raumdehnung staucht. So kommt man innerhalb der Wolke ohne Energieverbrauch von A nach B. Das Schiff steht, aber der Raum spindelt sich um einen herum. Klingt paradox, ist aber dasselbe wie eine Batty'sche Schleifentransformation.

Ist nicht unangenehm. Eigentlich. Die Maschinen stehen praktisch still. Kein Verschleiß, keine Schäden, kein Stress. Nur die Funklaufzeit wird exponentiell länger. Signale benötigen nun mehr als 20 Stunden zur nächsten Relaisstation, Tendenz steigend. Sehr belastend für die Crew. Ursache Nummer Eins für kollektiven Wahnwsinn, denn morgen um die Zeit sind es schon anderthalb Tage. Und es wird nie dunkel, denn der Tunnel leuchtet inwändig. Das ist Nummer Zwei.

Heutige Aufgabe an die Crew: Was ist dieser Tag in seinem Kern gewesen? Gestehe, für heute dafür kein Erwartungsbild zu besitzen. Die letzten Stunden waren leer. Entsetzlich. Als seien wir die eigentlichen Maschinen an Bord.

Versuche als Inner Space Officer (ISO) täglich wenigstens einen Satz zu schreiben. Aber langsam verliere ich sämtliche Gedanken an die Leere um uns herum.

Muss O'Reilly im Auge behalten...«

[Aufzeichnung Ende]