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Nur noch 20 Jahre lebenslänglich (real talk)

Hab mich heute den ganzen Tag lang um andere gekümmert. Hat sich gut angefühlt. Mag das. Sehr sogar. Acht Stunden, non stop. Hatte zum Glück Bemmchen dabei. Dabei war das keine rocket science: Zuhören. Zuspruch. Zuwendung. So einfach ist das. We're only humans after all.

Am Abend kam dann aber noch diese Mail. Eine Illustration umfassender Korrumpiertheit, gnadenlos in Auftrag gegeben und verfasst von vollgeschissenen Menschenhäuten, im Ein-Zwei-Wiegeschritt verächtlich über alles tanzend, was unsere Bude eigentlich so groß macht, denn letztlich spielt nichts eine Rolle, hast du den richtigen Titel vorm Namen und genügend Rückendeckung in deinen Netzwerken. Es geht ja auch nur um kleine Dullies. Unteres Gehaltsdrittel, Muttchen und Ronnies, feinstes Verlierermaterial, hoffnungsvoll und zukunftsfrei, wenn sie die Mühle hier verlassen müssten.

Nein, das ist keine Bedrohung der Karriere, nein mein Herr, selbst wenn das Ministerium in diesem Drecksland mal den Arsch hoch bekäme, was aber nicht zu befürchten ist. Eher werden Trump und Putin Ehrenmitglieder bei »amnesty international«. Hätte nicht gedacht, dass man die Hinrichtung einer ganzen Abteilung lässig mit »Gesprächsprotokoll« überschreiben kann. Meine Fresse, dachte ich da so bei mir, da kann einer noch etwas lernen.

Hier, Boss, meine innerliche Kündigung. Mache mich vom Acker und aus dem »Wir« ein »Ihr« und ein »Ich«. Hattet eure Chance. Pech gehabt.

Drei Eiswürfel kuscheln sich in meinem Scotch. No peace.


Eckenheim Blues

Eine Geschichte über eine Stadt, bestehend aus Pflastersteinen, unzulänglichen Kapiteln, guten Vorsätzen, verratenem Anstand und anständigem Verrat, unzähligen Straßen und dem Geruch der B-Ebene. Ungeschrieben, bisher, erfolglos weil mit Sicherheit ungelesen. Bericht einer Flucht um des Flüchten Willens. Die runter gefallene Zigarette im Hauptbahnhof, bei der man kurz noch überlegt, um sie dann doch aufzuheben und staubigen Großstadtherpes zu riskieren, war ja schließlich die letzte. Man hat nichts zu verschenken.

Es treten auf: Kanacken. Oberschlesier. Russen. Hessen. Neger. Offenbacher. Ficker. Ossis. Stricher. Fotzen. Müllsammler. Kassierer. Nazis. Säufer. Bänker. Verleger. Künstler. Sucher. Typen, die sich in ihrem 12 Quadratmeter großen Wohnklo einen nach dem anderen runterholen. S-Bahn-Pendler. Autofahrer. Dauerkartenbesitzer. Iren. Der Typ, der alles reparieren kann und schlechter als ein Straßenkehrer bezahlt wird. Italiener. Der Typ, der alles besorgen kann und den der Krebs auffrisst. Ein Schlosser namens Karl Marx. Ein Schinder, der drei Monate nach Renteneintritt verreckt. Die Angst den Wohnungsschlüssel in Leipzig vergessen zu haben. Der Sauf-Türke. Ein Elvis-Imitator, der noch nie oral abspritzen durfte. Der Jehovazeuge, kaputt therapiert, gefährlich wie ein Stier in der Brunft und auf Harmagedon vorbereitet. Der Bundeswehr-GI. Winni und sein Bundesliga-Tippspiel. Andere Verlierer. Bausparer. Und ein Typ, der sich Ich nennt.


Im Graben vor Verdun

Wir sind die
Black Coffee Gang
Sind Regen in der Nacht
Sind Eis im Drink
Alles geschieht
Ohne zu wollen
Ohne zu müssen.

Entweder ist es genial
Oder Scheiße
So oder so stehen
Die Chancen gut
Dass ich noch ein paar
Tage habe
Bevor mein Kinn
Die Flinte küsst.

Dreckstage
Schlechter als nichts
Nur ein paar Blätter
Am Kalender noch
Zwischen mir und
Der letzten Dunkelheit.

Irgendwo
Zwischen hier und der Realität
Zwischen jetzt und immer
Zwischen weil und egal
Zwischen Dir und mir.

Irgendwas
Zwischen Liebe und Gewohnheit
Zwischen Einatmen und Ausatmen
Zwischen Geben und Nehmen
Zwischen Scheitern und Neuanfang.

Stehe ich mit Foxy
In der 63-einhalbten Etage
Gebrochener Versprechen
Und schaue der Welt
Beim Brennen zu
Als Gewinner.


Heilige Hände, Heiliger Geist


Das müde Handtuch und die 42 Wale

Nichts. Absolut nichts da. Leere. Was die Leere umschließt, ist so fern. Ob da wirklich eine Grenze liegt? Vielleicht ist das alles unendlich wie eine Whiskyflasche hinter Glas.

Gottfried Benn fragte einst einen Freund, ob in seinen Gedichten ein Funken wahren Künstlertums stecke — Fuckin' Benn! Wo soll das alles hinführen, frage ich mich? Prometheus, lass das Kokeln, bring uns Feuerwasser, Wörter und gute Gründe! Schlechte tun's auch, zur Not, aber der Rest ist nicht verhandelbar! Lass uns doch bitte nicht hängen, siehst doch, wie es hier aussieht!

Fragt also nicht! Schreibt! Singt! Malt! Tanzt! Bildet euch undoder ab! Spielt Schau! Formt mir Welten aus Feuer und Frühstücksflocken! Wagt und übt, alles und vor allem Widerspruch! Erfindet Zukunft, Gedanken und Sünden! Da ist nichts vor dem man sich fürchten muss, nur das Müssen selbst! Bloß Leere, randvoll mit stinkender Angst vorm Urteil anderer. Pfandfrei.

Schwerter zu Videokonferenz-Software! Selbstzweifel zu Kartoffelschnaps! Großmäuler aller Planeten vereinigt euch und schlachtet die Gralshüter von einfach allem dahin, bis sie lachen oder es verstehen! Gratis-Applaus für alle und immer für den Krieg im Kinderzimmer! Revolution wird groß geschrieben, aber nur bei Zimmerlautstärke!

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir übernehmen die Versandkosten, denn Dein ist das Wirtschaftswachstum und die Vorsorgeuntersuchung und der Sachzwang und die Einsicht in die Notwendigkeit, in alle Ewigkeit, jetzt kaufen!